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DIE GESCHICHTE DER MERKURTRANSITE

Musik: W.A. Mozart, Sonata in C.

Für die meisten astronomisch Interessierten ist ein Merkurtransit zunächst einmal ein seltenes und faszinierendes Himmelsereignis, das sie wenn eben möglich beobachten möchten. Merkurtransite haben aber auch eine gewisse Bedeutung in der Astronomiegeschichte und sind in Sonderfällen sogar heute noch von wissenschaftlicher Bedeutung, wie die externen Links zeigen, die wir Ihnen in den folgenden Abschnitten vorstellen.

1631 - 1993    1999    2003    2006   

DIE MERKURTRANSITS 1631 - 1993

IMCCE: Passages des planètes Mercure et Vénus devant le Soleil - Histoire
Steven van Roode: De Mercuriusovergang van 1631

Im 12. Jahrhundert vermutete der arabische Astronom Alpetragius, dass Merkur durchsichtig sein müsse, weil er den Planeten nie vor der Sonnenscheibe gesehen hatte. Diese Vermutung war zwar nicht zutreffend, aber bereits die erste Beobachtung eines Merkurtransits - am 07.11.1631 durch Pierre Gassendi - zeigte ein Planetenscheibchen, das viel zu klein war, um mit bloßem Auge sichtbar zu sein. Zwar hatte es zwischen der Erfindung des Teleskops und dem Jahr 1631 bereits 3 Transits gegeben - aber erst im Jahr 1629 veröffentlichte Kepler erstmals Ephemeriden (für das Jahr 1631), in denen ein Merkurtransit vorausberechnet worden war.

Zum zweiten Mal wurde ein Merkurdurchgang am 03.11.1651 von Jeremiah Shakerley in Indien beobachtet. Johannes Hevelius verfaßte eine Schrift über den Merkurdurchgang, den er am 3. Mai 1661 sah. Der wohl berühmteste Merkurtransit fand am 07.11.1677 statt. Edmond Halley beobachtete ihn auf St. Helena mit einer bis dahin unerreichten Genauigkeit und entdeckte dabei das Phänomen des "Schwarzen Tropfens". Halley entwickelte aufgrund seiner Ergebnisse eine Methode (Beschreibung bei Jürgen Giesen), um mit Hilfe von Venustransits die absolute Entfernung zwischen Erde und Sonne zu bestimmen.
Obwohl Halley Merkurtransite als wenig geeignet für dieses Vorhaben erachtete, wurden im 18. Jahrhundert einige entsprechende Versuche unternommen - der ambitionierteste im Jahr 1753 - die jedoch keine zufriedenstellenden Ergebnisse brachten. Nachdem trotz vieler Widrigkeiten die Venustransits 1761 und 1769 wesentlich bessere Daten lieferten, ließ das wissenschaftliche Interesse an den Merkurtransiten nach; man nutzte sie lediglich noch, um nach eventuellen Monden des sonnennahen Planeten Ausschau zu halten. Die Merkurtransits der Jahre 1878 und 1881 fanden größere Beachtung, weil sie zu Testbeobachtungen für den Venustransit von 1882 genutzt werden konnten. Recht bekannt ist auch die Beobachtung des Merkurtransits im November 1769 in Neuseeland durch James Cook, nur 5 Monate nachdem er auf Tahiti den Venustransit verfolgt hatte. Der Ort, an dem Cook den Merkur vor der Sonne sah, heißt bis heute "Mercury Bay".

Die wissenschaftliche Bedeutung verging, doch die Faszination, eine ferne Welt vor der Sonne schweben zu sehen, blieb, insbesondere als die Astronomie im 20. Jahrhundert zum Hobby breiterer Bevölkerungsschichten wurde. Deshalb stößt man hier und da noch auf Fotos der beiden in Mitteleuropa vollständig sichtbaren Merkurtransits in den Jahren 1970 und 1973 oder vom Transit 1993, der erstmals mit Hilfe von Satelliten beobachtet wurde. Aber auch von früheren Transita, z.B. 1907, 1914 oder 1953 sind in der Literatur Abbildungen zu finden.

Der Merkurtransit 1986 war nur im Südosten des deutschen Sprachraumes kurz nach Sonnenaufgang für maximal eine halbe Stunde sichtbar. Zudem waren an diesem Tag die Wetterbedingungen nicht optimal, wie das rund 3 Stunden vor Ende des Transits aufgenommene Satellitenbild belegt. Dennoch gelang es Klaus Schulze-Frerichs, das Ereignis im Burgenland zu beobachten und zu fotografieren (Bericht & Fotos).


Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 9 vom 13.11.1986, 03.10 UT
Satellitenbild (Infrarot, Ausschnitt) von NOAA 9 vom 13.11.1986, 03.10 UT.
Image courtesy to Dundee Satellite Receiving Station, Dundee University, Scotland.

ERGÄNZENDE LINKS:
Steven van Roode: Nederlandse ogen op Mercurius' overgangen
Patrick Poitevin: The Mercury transits of 1769 and 1993 in New Zealand (PDF-Datei)
Merkurtransit 1907: Foto aus Trondheim
Merkurtransit 1970: Foto aus Berlin
Merkurtransit 1986: Fotos aus dem Burgenland von Klaus Schulze-Frerichs
Merkurtransit 1993: Fotos von James Kevin Ty
Merkurtransit 1993: Satellitenfoto im Röntgenlicht

DER MERKURTRANSIT 1999

Exploratorium.edu: Transit 99
A.L.P.O.: A most unusual graze: the transit of Mercury on 1999 Nov 15

Der Merkurtransit am 15.11.1999 fand aus zwei Gründen sowohl in der Fachwelt als auch in der astronomisch interessierten Öffentlichkeit sehr viel Aufmerksamkeit: es war das erste derartige Ereignis des Internetzeitalters und es war der zweite streifende Transit seit der Erfindung des Fernrohrs.
In didaktisch hervorragender und leicht verständlicher Form wurde das Thema von Exploratorium.edu aufbereitet. Die Seite bot nicht nur Informationen, sondern auch ein erfolgreiches Webcasting des Ereignisses.
Der Artikel der A.L.P.O., geschrieben von John E. Westfall, richtete sich mit seinen ausführlichen Beobachtungsvorschlägen eher an die Experten. Dennoch ist er gut verständlich und als Ergänzung und Vertiefung des Beitrages von Exploratorium.edu sehr empfehlenswert (beide Artikel auf Englisch).

ERGÄNZENDE LINKS:
Infoseite von astroinfo.org
Infosheet der Astronomical Society of Australia
Infoseite von Eclipse Zone
Infoseite von Fred Espenak
Vorbericht der AAAA
Vorbericht von Bert Stevens
Berichte und Fotos auf der Seite der AAAA
Video vom Big Bear Solar Observatory
Bericht und Fotos des Calwell Lunar Observatory
Foto von Paul Goelz
Fotos von Gert Gottschalk
Bericht und Foto von Chris Malicki
Bericht von Susanne Plank
Gemälde von Mark Seibold
Bericht und Fotos von Kevin Smith
Fotos und Videos von SOHO
Animation aus Bildern der Raumsonde Trace I
Animation aus Bildern der Raumsonde Trace II
Fotosammlung von Rodrigo Velasquez
Fotos von Michael Weasner
Fotos von M. Edward Wilborne III
Fotos von Bob Yen
TRACE Observations of the 15 November 1999 Transit of Mercury and the Black Drop Effect for the 2004 Transit of Venus von Glenn Schneider, Jay Pasachoff & Leon Golub (PDF-Datei, 32 Seiten)

DER MERKURTRANSIT 2003

DER MERKURTRANSIT 2006